Großflächige Spätfröste verursachen Millionenschäden

Rekordkälte im April sorgt für Millionenschäden durch Spätfröste in der deutschen Landwirtschaft. Besonders geschädigte Kulturen sind Wein, Kern-, Stein- und Beerenobst.

Temperaturen von bis zu sieben Grad unter Null führten in der Nacht auf Donnerstag, den 20.04. und Freitag, den 21.04. zum schwersten Frostereignis seit 1991. Vor allem Obstbauern und Winzer müssen mit erheblichen Frostschäden und Ernteausfällen rechnen.

Besonders dramatisch ist die Situation für Winzer und Obstbauern. Martin Heiß, Leiter Schadenaußendienst der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung, erklärt: „Durch den wärmsten März seit Messbeginn im Jahr 1881 waren die Kulturen in ihrer Entwicklung bereits weit fortgeschritten: Bei Obst sind die Kulturen in der Vollblüte, selbst späte Sorten bei Wein sind schon ausgetrieben. Damit sind die Kulturen besonders empfindlich bei Frost. Aufgrund der nun aufgetretenen Spätfröste ist daher kaum mit ungeschädigten Flächen zu rechnen.“ Bei frühen Weinsorten besteht die besondere Problematik, dass neben dem Austrieb auch die Beiaugen erfroren sind. Bei späten Weinsorten besteht die Hoffnung, dass die Beiaugen noch austreiben und einen Restertrag bringen.

Der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung wurden auf über 2.500 Hektar Weinfläche Frostschäden gemeldet. Dies bedeutet Frostschäden in Millionenhöhe, wobei die Entwicklung der kommenden Woche abzuwarten ist. Die Hälfte aller gegen Frost versicherten Weinbetriebe sowie beinahe alle Erdbeerbetriebe haben bereits bis Freitag Schäden gemeldet. „Die Versicherung gegen Spätfröste ist leider noch immer relativ selten ein Thema auf den Betrieben, obwohl diese Versicherungsprodukte seit Jahren angeboten werden“ ergänzt Dr. Sigmund Prummer, Schadenvorstand der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung.

Spätfrostschaden bei Wein: Durch die Rekordtemperaturen im März sind die Knospen, die bei Wein auch als „Augen“ bezeichnet werden, bereits ausgetrieben. In diesem Vegetationsstadium reagieren die Kulturen sehr empfindlich auf Frost.

Foto: MMA

Auch bei Kern-, Stein-, und Beerenobst haben sich Totalschäden ereignet. Im Gegensatz zu Wein und Erdbeeren sind diese Kulturen jedoch nicht gegen Frost versicherbar. Staatliche Nothilfeprogramme könnten im Obstbau notwendig werden.

Bundesweit gesehen ist davon auszugehen, dass von 100.000 Hektar Wein in Deutschland bei mehr als der Hälfte der Fläche erhebliche Frostschäden aufgetreten sind. In den alten Bundesländern sind flächendeckende Frostschäden in allen Weinbaugebieten zu verzeichnen. Schwere Schäden sind an der Mosel, in Rheinhessen, der Pfalz, in Franken, Württemberg, Südbaden und am Bodensee aufgetreten. Selbst intensive Frostschutzmaßnahmen durch Frostkerzen, Strohfeuer oder Überflügen mit Helikoptern konnten Frostschäden vielerorts nicht verhindern, da die Temperaturen zu tief abgesunken waren.

Die Schadenermittlung wird mit der Vorbesichtigung der Schäden nach Ende der Fröste in der kommenden Woche beginnen. Erst dann ist genau zu ermitteln, wie viele Triebe bei Wein sowie Blüten bei Obst erfroren sind. Experten der Münchener & Magdeburger sprechen bereits jetzt von einem europaweiten Extremereignis, schwere Frostschäden werden auch aus Österreich, der Schweiz, Südtirol und Polen gemeldet.

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