Erntereife Ackerkulturen: Millionenschäden durch Hagel

Über 800 Betriebe meldeten Schäden seit Sturmtief „Paul", mehr als 500 dabei an nur zwei Tagen. Viele davon sind Totalschäden. Schwere Hagelunwetter treffen die deutsche Landwirtschaft kurz vor der Ernte.

Mit nur wenigen Ausnahmen war in den vergangenen Wochen das gesamte Bundesgebiet von heftigen Gewittern mit teilweise schwersten Hagelschäden betroffen. Allein in Sachsen-Anhalt wurden der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung knapp 100.000 Hektar als geschädigt gemeldet. Hagen Zibolka, Schadeneinsatzleiter bei der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung, sagt: Die Hagelschäden in meinem Einsatzleitergebiet sind extrem großflächig und verheerend."

Am 22. Juni bildete sich eine so genannte Superzelle, die von Hamburg über Niedersachsen und Sachsen-Anhalt nach Sachsen zog. Sturmtief Paul" brachte Hagel und Sturm, die auch das Obstanbaugebiet Altes Land" schwer trafen: Kernobst, Steinobst sowie Regenschutzanlagen für Kirschen wurden zerstört. Südlich von Hamburg wurde sogar ein Tornado gesichtet.

Die Folgen von Hagel- und Sturmschäden im "Alten Land": Hier wurde eine Regenschutzanlage für Kirschen zerstört.

Foto: MMA

Auch in Hessen und in der Hallertau wüteten Gewitter. In Nordhessen kam es vor allem zu Schäden im Ackerbau, in der Hallertau in Bayern traf es den Hopfen. Das Ergebnis: Über 400 Betriebe meldeten der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung am 22. Juni Schäden, am 23. Juni folgten 100 weitere Betriebe aus Niederbayern. Ackerbaukulturen und Gemüse - insbesondere Salate, Gurken und Zwiebeln - sowie Hopfen wurden von Hagel zerstört oder geschädigt. 

Schäden an druschreifem Getreide und Raps wurden auch aus Oberbayern, Brandenburg und Sachsen gemeldet. In Rheinland-Pfalz wurden großflächige Hagelschäden im Wein verzeichnet.

Vom 6. bis 9. Juli kam es immer wieder zu heftigen Gewittern. Entlang des Rheins hagelte es von Bonn bis Heidelberg in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen. Die Bilanz des 6. Juli: 140 Betriebe mit Schäden an druschreifem Getreide und Raps sowie bei Sonderkulturen. Schwere Gewitter tobten auch entlang der Donau in Bayern, im nördlichen Brandenburg, am nördlichen Bodenseeufer und von der Schwäbischen Alb bis Augsburg. Die Schadensachverständigen der Münchener & Magdeburger sind auf etwa 300 Betrieben zur Regulierung im Einsatz. Schadeneinsatzleiter Thomas Uhl meldet hierzu: Wir mussten bereits total zerstörte Maisbestände zum Umbruch freigegeben, damit die viehhaltenden Betriebe mit Futtergräsern die Grundfutterversorgung ihrer Tiere sicherstellen können."

Die Sachverständigen der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung sind seit Anfang Juni im Dauereinsatz und sprechen schon jetzt von einem überdurchschnittlichen Schadensgeschehen". Martin Heiß, Leiter Schadenaußendienst, erklärt: „Bisher ist noch relativ wenig Getreide und fast kein Raps geerntet. Die Bestände sind druschreif und deshalb besonders empfindlich für Unwetterschäden. Es bleibt zu hoffen, dass stabiles Hochdruckwetter unseren Kunden die Ernte bald ermöglicht.

Die Unwetterschäden im Überblick

Schwere Schäden vor der Ernte gab es bundesweit. An nur 2 Tagen meldeten über 500 Betriebe Schäden allein durch Unwetter "Paul".

Quelle: MMA

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