Alcantaras Tagebuch

Text: Alina Voigt

23 Tage tragend. Wahnsinn, ich kann es immer noch nicht glauben. Vor einigen Wochen war damit absolut nicht zu rechnen und nun wird meine Stute „Alcantara“ Mama.

Steckbrief von Alcantara

Foto: Fotolia © ekyaky

Welcher Hengst passt zu Alcantara?

Das ausgewählte Gestüt "Zangersheide" in Belgien.

Foto: Alina Voigt

Den passenden Hengst für die eigene Stute zu finden ist gar nicht so einfach. Die Auswahl an fantastischen Hengsten ist riesig und im Zeitalter der künstlichen Besamung ist im Grunde auch kein Weg zu weit. Trotzdem spielte Regionalität für mich eine große Rolle. Die Wahl fiel auf das Gestüt „Zangersheide“ in Belgien. Somit war auch die Auswahl an Hengsten limitiert und doch eigentlich immer noch viel zu groß. Da Alcantara eine kleine Prinzessin ist und nicht immer ganz einfach, war ich mir sicher, es darf kein Junghengst sein. Klar, es gibt fantastische Junghengste und ich habe mich auch direkt in zwei Junghengste auf dem Gestüt „Zangersheide“ verliebt, aber ich wollte einen erfahrenen Hengst, der sich bereits selbst im Sport und auch nachweislich in der Zucht bewiesen hatte.

Die Auswahl wurde immer geringer. Gut für mich, denn die Entscheidung fiel mir wirklich nicht leicht. Worauf sollte man als Züchter eigentlich achten? Gerade wenn die Stute ihr erstes Fohlen bekommt, sollte der „Daddy“ nicht zu klein sein. Kennt man die kleinen „Macken“ seiner Stute, sollte gezielt darauf geachtet werden, dass der Hengst diese möglichst in der Folgegeneration ausgleicht. Ich habe am Ende mein Bauchgefühl entscheiden lassen: „Asca Z“ sollte der Mann an Alcantaras Seite werden.

„Eine geölte Maschine“

Dieser Slogan beschreibt „Asca Z“ auf der Homepage vom Gestüt „Zangersheide“. Ich finde diesen sehr passend und bin ganz fasziniert vom Vater unseres zukünftigen Fohlens. Selbst hocherfolgreich in den schwersten Springen der Welt, stehen ihm auch seine Nachkommen in nichts nach. Leichtfüßig und ehrgeizig spielt er mit den Sprüngen, um anschließend zufrieden und gelassen am langen Zügel die Arena zu verlassen. Er selbst ist groß genug mit seinen 1,70 m Stockmaß, aber für meinen Geschmack nicht zu groß. Außerdem finde ich Schimmel einfach super.

Gestatten, Asca Z, der Vater von Alcantaras zukünftigem Fohlen.

Foto: Gestüt Zangersheide

Die Vorbereitungen

Die Entscheidung war getroffen: Alcantara bekommt ein Baby von „Asca Z“. Es blieb nur noch ein kleines Problem, Alcantara zeigt nur selten eine Rosse. Bis dato war das ja ganz prima und hat im Sport nie gestört. Jetzt zeigte sich die sonst ganz praktische Eigenschaft als schwierig und kompliziert. Licht und Auslauf in ihrer Außenbox, auf der Wiese und dem Paddock bekommt sie immer genug, daran sollte es nicht liegen. Ideal wäre der Kontakt zu einem Probierhengst gewesen, aber unter den insgesamt 100 Pferden in Alcantaras Heimatstall ist nicht ein einziger Hengst. Ein Glück, dass mein Wallach manchmal vergisst, dass er keiner ist und sich immer ganz rührend um sie kümmert. Und siehe da, mit etwas gutem Zureden und gemeinsamen romantischen Abenden auf dem Paddock, hat der Gute sie dazu gebracht rossig zu werden. Naja, fast… „Für die Tupferprobe hat es gereicht, für mehr jedoch lange noch nicht“, teilte uns unser Tierarzt mit. Die Tupferprobe ist eine bakteriologische Untersuchung des Sekrets des geöffneten Muttermunds. Dieser Test wird prophylaktisch durchgeführt, um mögliche Erreger und Bakterien, die später gegebenenfalls zum Verfohlen führen könnten oder den Hengst anstecken könnten, frühzeitig zu erkennen. Das Ergebnis gab Entwarnung, Alcantara ist kerngesund. Das Warten auf die nächste Rosse konnte beginnen.

18 Tage später zeigte Alcantara jedoch immer noch kaum Anzeichen einer Rosse. Am 20. Tag schaffte mein Wallach es jedoch erneut: Alcantara war mehr als begeistert von ihm und zeigte dies durch deutliches Rossen. Erleichterung! Unser Tierarzt war schnell vor Ort und konnte meine Stute noch am selben Abend per Ultraschall untersuchen. Die Fragezeichen im Gesicht unseres Tierarztes während der Untersuchung irritierten uns allerdings. Der Ultraschall dokumentierte keinerlei Anzeichen einer Rosse. Na super, da hatte Alcantara mir aber einen ganz schönen Streich gespielt. Das erste Mal kam für mich die Frage auf, ob Alcantara wirklich so gerne ein Fohlen möchte. Auf Empfehlung unseres Tierarztes, rief ich das Gestüt „Zangersheide“ an und fragte, ob Alcantara vorübergehend dort einziehen darf. Jetzt war professionelle Unterstützung gefragt. Natürlich darf Alcantara kommen, hieß es, aber nicht ohne TRACES Meldung.

Was ist eine TRACES Meldung?

Der Equidenpass ist Voraussetzung für die Grenzüberschreitung mit einem Pferd.

Foto: Alina Voigt

Für die Grenzüberschreitung mit Pferd wird grundsätzlich der Equidenpass und ein Gesundheitszeugnis benötigt. Für registrierte Sport- oder Zuchtpferde ist das Gesundheitszeugnis in den „neuen“ Pferdepässen bereits integriert. Unter den „neuen“ Pferdepass fallen alle Pässe, die nach dem 30. Juni 2009 ausgestellt wurden. Für die Verbringung von Zuchtpferden werden auch eine amtstierärztliche Untersuchung sowie eine TRACES-Meldung gefordert. Das für den Versandort zuständige Veterinäramt sendet also das Gesundheitszeugnis in elektronischer Form über TRACES an den Bestimmungsort. Dementsprechend musste ich den Transport also beim zuständigen Veterinäramt anmelden. Wenige Tage später wurde Alcantara vom Amtstierarzt untersucht, mit dem Ergebnis „transportfähig“. Der Kostenaufwand betrug circa 90 Euro.

Ab in die Flitterwochen

Alcantara war also startklar. Frisch „austrainiert“, vollkommen tiefenentspannt und dem Abenteuer „Flitterwochen in Belgien“ fröhlich entgegenblickend. Den Equidenpass und die Gesundheits- beziehungsweise Transportbescheinigung im Gepäck, ging es also los. Nach einer guten Stunde Fahrt hatten wir das Ziel erreicht und für mich hieß es erstmal Abschied nehmen. Nach einer Umarmung und zwei Äpfelchen, fuhr ich wieder vom Hof. Obwohl ich wusste, dass Alcantara in den besten Händen war, sie ihre Zeit mit Gleichgesinnten – den Muttis und hoffentlich werdenden Muttis – verbringen und auch täglich auf den Paddock durfte, fiel es mir schwer.

Das entsprach so gar nicht meinen romantischen Vorstellungen, aber für gewöhnlich kann man die Stuten bereits nach einer knappen Woche wieder abholen. Aber meine kleine „Alcantara“ ist nicht gewöhnlich! Nach 7 Tagen wurde ich nervös, nach 10 Tagen hielt ich es nicht mehr aus rief an. Die Nachricht war ernüchternd. Trotz Verabreichung des rosseinduzierenden Hormons Prostaglandin, dachte Alcantara an alles, nur nicht an eine Rosse. Es hieß, man probiere es weiter, aber die Chancen stehen derzeit nicht so gut. „Es sind ja keine Maschinen.“ Das stimmt natürlich. Wir haben fleißig Daumen gedrückt und hatten Glück. 9 Tage später die gute Nachricht, Alcantara möchte doch ein Fohlen und in Kürze kann sie besamt werden. Damit machte Alcantara mir das beste Geburtstagsgeschenk aller Zeiten und wurde am selbigen Tag mit „Asca Z“ beglückt, wenn auch künstlich.

Und wieder heißt es warten…

Alcantara war also besamt und durfte wieder nach Hause. Unendlich glücklich über ihre eigene Box und ihre geliebte Wiese, merkte man ihr noch keine Veränderung an. Nur ihren Freund fand sie nun gar nicht mehr so interessant, da konnte er noch so hengstig sein und sich noch so viel Mühe geben. Aber ich wollte mich ja nicht zu früh freuen. Und noch schwirrte mir auch die Information im Kopf herum, dass die Chancen hoch sind, dass es eine Zwillingsträchtigkeit ist. Oh Gott, das wäre gar nicht auszudenken… Zwillingsträchtigkeiten sind zwar äußerst selten, aber sehr gefährlich. Ohne tierärztliche Unterstützung beziehungsweise der Entfernung einer Leibesfrucht, kann es den Tod beider Leibesfrüchte, einer Leibesfrucht oder am Ende gar den Tod der Mutter bedeuten. Um auf Nummer sicher zu gehen, fuhr ich also mit Alcantara am 15. Tag zurück nach Belgien.

Alcantaras kurzer Aufenthalt in der Heimat.

Foto: Alina Voigt

Alcantara ist tragend

Am 16. Tag endlich die erlösende Nachricht, Alcantara ist tragend! Und zwar mit nur einem Embryo! Zur Kontrolle wurde sie zwei Tage später erneut untersucht. Alcantara geht’s super und in ihr wächst nun ein kleines vierbeiniges Wunder heran. Mittlerweile ist Alcantara wieder zu Hause und genießt die Tage auf der Weide. Ich kann unser Glück immer noch nicht fassen. Alcantara wird Mami. Wenn sie sich wieder eingelebt hat, fangen wir wieder mit einem leichten Training an. Je fitter Alcantara in die Geburt geht, umso besser ist es für sie. Auf dem Programm stehen Spaziergänge und -ritte und leichte Arbeit unter dem Sattel. Natürlich nur, wenn die Prinzessin Lust dazu hat und der Sattel noch passt. In 2,5 Wochen wird Alcantara erneut untersucht, dann sollte schon der Herzschlag von ihrem Nachwuchs zu sehen sein. Aufregend!!!

Zuhause ist es doch am schönsten! Alcantara erholt sich nach dem Ausflug in Belgien mit ihrem Freund Anton.

Foto: Alina Voigt

Autor

Alina

Deutschlandweit für die MMA als Pferdeexpertin im Einsatz. Sie liebt ihren Hund und ihre Pferde gleichermaßen und ist von Kindesbeinen an begeisterte Springreiterin.

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